Visionen auf dem Sterbebett:

Was Patienten im Endstadium sehen

                                

 

Visionen auf dem Sterbebett bilden neben den bereits skizzierten Erlebnissen klinisch Totgewesener und Wiederbelebter ein weiteres großes Feld der NTE-Forschung. Sie sind so verbreitet, daß nahezu jeder in seinem Verwandten- oder Bekanntenkreis jemanden kennt, der einen solchen Fall zu berichten weiß.Ich möchte im Folgenden einige dieser Forschungsergebnisse kurz vorstellen.(Quellennachweis ganz unten)
Sterbeforscher hatten bei Patienten im Endstadium immer wieder Folgendes bemerkt:

"Wir beobachteten, daß Patienten, die bitter, häßlich und schwierig gewesen waren, kurz vor dem Sterben ein tiefer Friede überkam. Ihre ganze Erscheinung strahlte große Gelassenheit aus. Das mußte einen Grund haben. Ich beobachtete auch, daß sie mit jemandem sprachen, der für uns nicht sichtbar war, und diese Gespräche sie mit Freude erfüllten." (Kübler-Ross, S.36f.)

Seit Jahrhunderten gilt ein solcher, medizinisch nicht erklärbarer Stimmungsumschwung als untrügliches Anzeichen dafür, daß der Tod unmittelbar bevorsteht. Osis und Haraldsson, die sich seit 1960 mit Todesvisionen auf dem Sterbebett beschäftigen, haben in zwei großangelegten Studien gezeigt, daß dieser Volksglaube auf einer empirischen Basis steht. Ihre Analysen beruhen auf einer enormen Fallsammlung, die sich ausschließlich auf die Aussagen von über 1000 Ärzten und Krankenschwestern stützt. Dabei stellte sich heraus, daß Patienten, die eine Todesvision hatten, über eine Art unwiderlegbare Information verfügen,"wann sie sterben werden,und es zeigt sich, daß sie sich nicht irren." (Ring,101) Diese Ankündigungen bewahrheiteten sich auch entgegen der ärztlichen Prognose.

Beispiele:

"Plötzlich sagte sie, sie würde diese Welt verlassen, obgleich wir überhaupt nicht erwarteten, daß sie sterben würde. Sie erzählte das auch Besuchern und den Krankenschwestern und brachte ihnen gegenüber Dankbarkeit zum Ausdruck. Sie war entspannt und bei klarem Verstand. Am nächsten Morgen verschied sie." (Osis/Haraldsson, S.171)

"Eine siebzigjährige Patientin hatte ihren verstorbenen Ehemann schon mehrere Male gesehen, als sie schließlich ihren eigenen Tod ankündigte. Sie sagte, daß ihr Mann am Fenster erschienen sei und ihr bedeutet hätte, aus dem Haus herauszukommen. Der Grund für seine Besuche war, daß sie sich ihm anschließen sollte. Zu diesem Zeitpunkt waren ihre Tochter und ihre Verwandten bei ihr. In deren Anwesenheit kündigte sie ihren eigenen Tod an, holte ihre Sterbekleidung aus dem Schrank, legte sich für ein Nickerchen hin und verschied etwa eine Stunde später. Sie erschien ruhig in ihren Tod ergeben, und sie wollte auch wirklich sterben. Sie hatte nie von ihrem bevorstehenden Ende gesprochen, ehe sie die Erscheinung ihres Mannes gehabt hatte. Ihr Arzt war dermaßen über diesen plötzlichen Tod, für den es keine ausreichende medizinische Erklärung gab, überrascht, daß er überprüfte, ob sie sich nicht selbst vergiftet hatte." (Osis/Haraldsson, S.21f.)

"Eines Tages sagte er zu mir: "Frau Jones, würden Sie mir ein großes Glas Wasser mit viel Eis bringen?" Und ich tat es. Er trank es und sagte: "Frau Jones, dieses Wasser wird mir über den Jordan helfen." Er starb nach 90 Minuten. Die Ärzte waren über seinen Tod äußerst überrascht, da es keine sichtbaren Anzeichen für ein bevorstehendes Sterben gegeben hatte." (Osis/Haraldsson, S.166)

Während und nach einer Vision verzichten viele Patienten auf Schmerzmittel, weil sie auf unerklärliche Weise keine mehr benötigen; geistig Verwirrte werden wieder normal und formulieren klare, deutliche Sätze; selbst bei Schizophrenie-Patienten stellt sich augenblicklich der normale Bewußtseinszustand wieder her. (Osis/Haraldsson, S.169f.) Nicht nur die körperliche Verfassung, die Stimmung und das Verhalten des Patienten ändern sich auf seltsame Weise, sondern auch das typische äußere Erscheinungsbild:

"Ich bemerkte, daß der Patient für etwa eine Stunde ein anderes Aussehen hatte: Er sah aus, als wenn er weit weg wäre, und er hatte einen seltsamen Ausdruck auf dem Gesicht." (Osis/Haraldsson,S.118)

"Ihr Gesichtsausdruck war..... ich wünschte, ich hätte eine Kamera gehabt! Aus ihrem Gesicht waren alle Runzeln verschwunden. Sie lächelte, war heiter und schien keine Beschwerden zu haben. Es war irgendwie unheimlich." (Osis/Haraldsson, S.66)

"Wenn er Visionen hatte, ließen die Schmerzen nach, und man sah ihn nur noch lächeln. Er sagte: "Es war so wunderbar, man kann es gar nicht beschreiben. Es war ein überwältigender Anblick, ganz anders als in Wirklichkeit." Mehr konnte er nicht sagen. (Currie,S.152)


Wenn alle diese seltsamen physischen und psychischen Veränderungen am Patienten vor sich gehen, so fragt sich natürlich: Was sehen die Patienten eigentlich?
Osis und Haraldsson fanden heraus, daß die Visionen der Sterbenden einem typischen Muster folgen, deren charakteristische Elemente leicht zu beschreiben sind. Sie unterscheiden zwischen einer "Totalvision", in der die Patienten eine andere Welt sehen, während die Krankenhausrealität ausgeblendet ist und einer Vision, "als ob er in zwei Welten zugleich wäre." (Osis/Haraldsson,S.63) Letztere kommt am häufigsten vor: die beiden Wirklichkeitsebenen (Krankenhausrealität und visionäre Realität) gehen ineinander über, ohne daß die Patienten sie unterscheiden können. Der NTE-Forscher Kenneth Ring hat darin ein Unterscheidungsmerkmal zu den NTEs von Patienten, die klinisch tot waren und wiederbelebt wurden, gesehen:

"Sie tauchen in sie hinein, und wieder aus ihr auf. Wir haben es also letztlich mit verwandten Vorgängen zu tun, mit dem Unterschied, daß es sich bei der NTE um einen plötzlichen, ja fast explosionsartigen Zugang zu dieser Welt handelt, wogegen die Vision auf dem Sterbebett ein allmähliches Aufwachen in diese Welt hinein darstellt." (Ring,S.100)

Was oder wen sehen die Sterbenden nun?


Zuallererst: Sie sehen an ihrem Krankenbett Gestalten stehen. Und diese Gestalten sind für sie so real wie die anwesenden Ärzte und Krankenschwestern. Es handelt sich bei diesen Gestalten um eigene Verwandte, die zwei Bedingungen erfüllen müssen:

1. Sie müssen bereits gestorben sein.
2. Zwischen dem Sterbenden und der visionären Gestalt muß eine starke affektive Beziehung bestanden haben (oder weniger nüchtern ausgedrückt: ein "Band der Liebe", wie Kübler-Ross immer sagt).
Und diese Verwandten, so ergab weiterhin die Analyse von Osis und Haraldsson, geben eine unmißverständliche Absicht zu erkennen: Sie kommen, um die Sterbenden abzuholen.

Beispiele:

"Sie wußte, daß sie sterben würde, und erklärte unserer Mutter, wie diese ihre kleinen, persönlichen Habseligkeiten unter ihren Freunden aufteilen solle. Plötzlich hob sie den Kopf, als blickte sie angestrengt auf die Zimmerdecke in der anderen Ecke. Unverwandt schaute sie dorthin und lauschte offenbar einige Zeit, neigte dann ihren Kopf und sagte: "Ja, Großmutter, ich komme, warte bitte noch ein wenig." Unser Vater fragte sie: "Siehst du deine Großmutter?" Offensichtlich erstaunt über diese Frage, antwortete sie prompt: "Aber ja, Papa, siehst du sie denn nicht? Da steht sie und wartet auf mich." Bevor sie ihre Aufmerksamkeit schließlich wieder ihrer Großmutter schenkte, die sie offensichtlich drängte, sofort zu kommen, sagte sie jedem von uns Aufwiedersehen. Ihre Stimme klang sehr matt und schwach, doch der Ausdruck ihrer Augen, als sie jeden noch einmal kurz ansah, war so lebendig und wach wie nur möglich. Dann heftete sie die Augen fest auf ihre Vision und sagte, so schwach, daß wir ihre Worte gerade noch hören konnten: "Ja, Großmutter, ich komme jetzt." Dann starb sie.(Currie, S.155)

"Es war das Erlebnis eines Zusammentreffens mit jemandem, den er sehr liebte. Er lächelte, richtete sich auf und streckte die Hände aus. Sein Gesicht drückte Freude aus. Ich fragte ihn, was er sähe. Er sagte, seine Frau stände hier und wartete auf ihn. Er wurde ganz ruhig und gelöst. Er starb." (Currie,S.168)


"Er schaute meistens in die Ferne; dann erschienen ihm gewöhnlich diese Dinge, und sie schienen für ihn völlig real zu sein. Er starrte immer die Wand an; seine Augen und sein Gesicht leuchteten auf, als ob er jemanden sähe. Er pflegte dann von dem Licht zu sprechen, von Helligkeit, und er sah Menschen, die anscheinend für ihn wirklich waren. Gewöhnlich sagte er dabei: "Hallo" und "Da ist meine Mutter". War die Vision vorbei, schloß er die Augen und schien voller Frieden. Er machte mit ausgestreckten Händen Gebärden. Vor der Halluzination war er sehr krank und unleidlich, danach war er heiter und friedlich." (Osis/Haraldsson,S.60)

"Sie führte eine zärtliche Unterhaltung darüber, wie sehr sie ihn (ihren verstorbenen Mann) liebte, wie sehr sie ihn vermisst hatte und wie bestimmt sie wußte, daß sie ihm nachfolgen würde. Sie sagte:
"Es wird jetzt nicht mehr lange dauern, bis ich bei dir bin." (Osis/Haraldsson, S.66)

Der Arzt Dr. Wilson schildert den Tod des amerikanischen Tenors James Moore:

"Dann geschah etwas, das ich bis an mein Lebensende nicht vergessen werde. Er machte einen völlig vernünftigen und gesunden Eindruck und wurde plötzlich, anders kann ich es nicht ausdrücken, in eine andere Welt entrückt, denn er sagte lauter als bisher: "Da ist Mutter! Warum bist du denn hergekommen, Mutter? Nein, ich komme zu dir. Warte noch etwas, Mutter, ich habs bald geschafft. Ich mach hier Schluß. Warte noch." Auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck unbeschreiblichen Glücks, und die Art und Weise, in der er sprach überzeugte mich, daß er seine Mutter sah und mit ihr redete. Es war das Eigenartigste, das mir je in meinem Leben passiert ist." (Currie,S.156)

"In einem Fall sah der Patient seine verstorbene Jugendliebe, die bei einem Autounfall umgekommen war, bevor sie heiraten konnten. Er sagte zu ihr: "Ich habe gewartet und gewartet. Ich wußte, daß du zu mir kommen würdest." (Osis/Haraldsson,S.65)

"Ich fragte ihn, was er sah. Er sagte, seine Frau stünde gerade dort und warte auf ihn. Es sah so aus, als ob dort ein Fluß wäre und sie auf der anderen Seite stehen und darauf warten würde, daß er herüberkäme." (Osis/Haraldsson,S.144)

Es scheint so, als wollten diese wohlvertrauten Jenseitsfiguren den Sterbenden beim Übergang ihre helfende Hand reichen.

Der letzte Fall verweist auf das Motiv der visionären Landschaften, die von den Sterbenden beschrieben werden. Sie sind ungleich anders als die irdischen, und doch mit ihnen verwandt. Die Darstellung der visionären Landschaften, sowie die Erscheinungen religiöser Figuren, die eine zweite , wenn auch seltenere Gruppe bildet, sowie die verschiedenen Reaktionsformen der Experiencer hole ich gesondert nach. Mir geht es im Moment um etwas anderes.

Wenn sich der Experiencer (so werden in der NTE-Forschung die Menschen genannt, die eine Nah-Todeserfahrung machen) sich in einer Totalvision durch eine Landschaft bewegt, so befinden sich in dieser Landschaft fixe Punkte, von denen der Sterbende intuitive Gewißheit hat, daß er sie nicht überschreiten darf, da sie eine Art "point of no return" darstellen. Diese Grenzen werden von den Experiencern beschrieben als Tore, die man durchschreitet, als eine Brücke, über die man geht, einen Fluß, den man überquert, oder eine Treppe, die erklommen wird. An diesem Punkt fällt dann auch immer die Entscheidung über Leben oder Tod im wortwörtlichen Sinne. Beispiele:

"Es war ein so schönes und friedliches Gefühl. Es ging mir unheimlich gut. Ich stand am Fuß einer Treppe, es war dunkel, und ich begann hinaufzusteigen. Auf der Hälfte der Treppe entschloß ich mich, nicht höher zu steigen. Ich wollte weitergehen, aber ich wußte, daß ich dann nicht zurückkehren würde." (Morse,S.43)

"Sie sagte, daß ihr Vater und ihre Mutter (beide verstorben) gekommen waren, um sie zu sehen und sie weit weg zu holen. Alle drei gingen sie daraufhin einen Hügel entlang, als ihre Eltern ihr plötzlich sagten, sie solle umkehren. Sie drehte sich um und verließ sie. Am nächsten Morgen, etwa sechs bis acht Stunden nach ihrem Erlebnis, besserte sich ihr Zustand. Ich hatte ihren Tod für diese Nacht erwartet, denn ihr Zustand war äußerst kritisch gewesen." (Osis/Haraldsson,S.191)

"Die Patientin erzählte: "Es sah wie ein großartiger Sonnenuntergang aus, wissen Sie, und wunderschön." Die Wolken schienen plötzlich Tore zu sein. Sie hatte das Gefühl, als riefe ihr jemand zu, dorthin zu kommen, so daß sie durch sie hindurchgehen mußte." (Osis/Haraldsson,S.209)

"Ich wußte, daß ich niemals zurückkehren würde, wenn ich sie öffnete. Ich fürchtete mich vor der Tür, gleichzeitig fühlte ich mich zu ihr hingezogen." (Morse,S.54)

Man könnte nun auf die Idee kommen, daß das Gehirn in einer Art letztem Akt gewisse Archetypen, die im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verankert sind, aktiviert. Das würde aber die Schwierigkeit mit sich bringen, die konkreten Jenseitsgestalten zu erklären, die nur jeweils individuell für den Experiencer Bedeutung haben. Solche konkreten Figuren können wohl kaum in Form allgemein geteilter genetischer Programmierung gespeichert sein.
Zudem versagt die Archetypen-Theorie auf der ganzen Linie bei den folgenden Fällen. (Und jetzt kommt ja erst der Hammer.)
Das sind nämlich die Fälle, in denen der Patient in der Vision Verwandte sieht, die soeben gestorben sind, von deren Ableben er aber nachweislich nichts gewußt haben konnte. Er verfügt also über Informationen, über die er nach menschlichem Ermessen überhaupt nicht verfügen dürfte.

Beispiele:

"Ihre Schwester Vida war vor über zwei Wochen gestorben. Da Doris zur Zeit des Todes von Vida schwer krank war, wies die Oberschwester der Klinik die Familie an, ihr nichts vom Tod ihrer Schwester zu erzählen. Als der Tod nach ihr griff, rief sie plötzlich: "Ich sehe Vater; er will, daß ich komme." Sie sprach mit ihrem Vater und sagte: "Ich komme", und drehte sich dabei zu mir. Sie blickte wieder auf die gleiche Stelle und sagte ziemlich verwirrt: "Vida ist bei ihm." Dann wandte sie sich wieder zu mir und sagte ziemlich verwirrt: "Vida ist bei ihm." (Currie,S.S.163)

"Ich saß auf ihrem Bett und ergriff ihre Hand. Sie war glühend heiß. Da schien Eleanor sich im Bett aufsetzen zu wollen. "Natalie", sagte sie, "so viele sind da. Fred ist da...und Ruth- was tut sie hier?" Es war wie ein elektrischer Schlag. Ruth hatte sie gesagt. Ruth war ihre Cousine, die ganz plötzlich in der vorigen Woche gestorben war. Aber ich wußte, daß man Eleanor nichts von dem unerwarteten Tod erzählt hatte. Ihre Stimme war überraschend klar. "Ich bin so durcheinander. So viele von ihnen sind da." Plötzlich streckte sie mit einem glücklichen Ausdruck ihre Arme aus. "Ich gehe hinauf", murmelte sie. Und Eleanor starb." (Currie,S.163f.)

"Kurz vor ihrem Tode sah sie ihren Vater und sprach mit ihm, nicht wissend, daß er einige Augenblicke vorher etwa 700 Meilen entfernt von ihr gestorben war. Wir hatten bisher fünf Fälle von Menschen, die kurz vor ihrem Tode Mitglieder ihrer Familie gesehen hatten, ohne zu wissen, daß diese nicht mehr am Leben waren. So etwas passiert oft an den verlängerten Feiertagswochenenden, an denen Familien für mehrere Tage verreisen. Sie werden in einen Unfall verwickelt, und die Mutter, der Bruder oder die Schwester stirbt. Die verwundeten Kinder werden schnellstens zur nächsten Unfallstation gebracht, und niemand erzählt ihnen, wer am Unfallort bereits gestorben ist. Man hat Angst, die Kinder würden ihren Lebenswillen aufgeben, wenn sie wüßten, daß ihre Mutter tot ist." (Kübler-Ross,S. 47)

Zuweilen ist es gar so, daß nicht einmal die Ärzte etwas davon wissen, und die Information erst nachträglich verifiziert wird. Ich mache jetzt einmal einen kleinen Abstecher zum großen Gebiet der NTEs von Patienten, die klinisch tot waren und wiederbelebt wurden. Dort tauchen nämlich ganz ähnliche Fälle auf. Es handelt sich dabei um eine Patientin, die nach einem Herzstillstand wiederbelebt wurde, während zur gleichen Zeit im selben Krankenhaus ihre Schwester mit diabetischem Koma im Sterben lag. Diese Patientin berichtet:

"Ich ging aus meinem Körper raus und schwebte nach oben unter die Zimmerdecke. Von dort sah ich zu, wie die Ärzte sich an mir zu schaffen machten. Plötzlich war meine Schwester bei mir, und wir unterhielten uns. Ich habe immer sehr an ihr gehangen, und wir hatten ein interessantes Gespräch über das, was da unten vor sich ging. Doch auf einmal fing sie an, sich von mir wegzubewegen. Ich wollte mitgehen, aber sie sagte mir immer wieder, ich müsse dableiben. "Du bist noch nicht dran", sagte sie. "Du kannst nicht mit mir kommen, weil es für dich noch nicht Zeit ist." Dann verschwand sie in der Entfernung in einem Tunnel, während ich allein zurückblieb.Als ich wieder zu mir kam, sagte ich den Ärzten, meine Schwester sei gestorben. Sie glaubten mir nicht, aber als ich dabei blieb, ließen sie auf der betreffenden Station nachfragen. Meine Schwester war tatsächlich gestorben, wie ich es gesagt hatte." (Moody, S.176f.)

Wer über die Bedeutung eines Tunnels in einer NTE nicht informiert ist, weil er diese Dinge zum ersten Mal hört, sollte auf die folgende Seite gehen. Dort sind große Teile des Klassikers "Leben nach dem Tod" von Raymond A.Moody abgedruckt.

Osis und Haraldsson verwenden nahezu die Hälfte ihres Buches darauf, alternative Erklärungsmodelle für das Auftreten derartiger Visionen zu finden. Alle diese Erklärungsversuche konnten anhand der dokumentierten Krankengeschichte ausgeschlossen werden, wie z.B. medikamentös verursachte Halluzinationen, Sauerstoffmangel, Fieberträume, Stress, Wunschvorstellungen. Schließlich versuchten sie es noch mit dem religiösen Hintergrund der Experiencer, wobei folgendes herauskam: Die Wahrscheinlichkeit, daß ein streng gläubiger Christ diese Visionen hat, ist genauso hoch wie die Wahrscheinlichkeit für einen Hinduisten oder für einen noch so abgebrühten Atheisten. Das weltweite Auftreten von Todesvisionen mit den stets wiederkehrenden, typischen Mustern und Inhalten unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, religiösem Glauben schließt die Deutung von Todesvisionen als "Halluzinationen" ohnehin eo ipso aus.

Es bleibt am Ende nur eine einzige plausible Hypothese übrig (selbstverständlich nur solange, bis eine erklärungsstärkere gefunden sein sollte), die diese Phänomene erklären kann. Es ist die These, daß die Sterbenden via Todesvisionen Einblicke erhalten in eine jenseitige Welt. Osis und Haraldsson fassen ihre Ergebnisse so zusammen:

"Die Visionen im Sterbebett können weder durch medizinische, noch durch psychologische, noch durch kulturelle Bedingungen wegdisputiert werden. Zudem sind sie relativ unabhängig vom Alter, vom Geschlecht, von der Erziehung, von der Religion und von der sozialen Stellung der Betreffenden. Wenn wir mit kurzem Blick das übrige Beweismaterial aus anderen kompetenten Forschungen zu dieser Frage streifen und es mit unseren Ergebnissen zusammen betrachten, so gelangen wir zu der Überzeugung, daß die Gesamtheit der vorliegenden Informationen einen auf Tatsachen beruhenden, rationalen und damit realistischen Glauben an ein Leben nach dem Tod ermöglicht." (Osis/Haraldsson, S.21)

Skeptiker werden dagegen einwenden: Was immer das auch ist, was die Sterbenden hier sehen: Nachweisen läßt sich das nicht, solange keine Bildaufzeichnungen des "Jenseits" vorliegen. Allerdings weiß man von so manch berühmten Skeptiker, daß er durch unmittelbare Erfahrung auf dem Sterbebett eines Besseren belehrt wurde. Anhand von letzten Worten erkennen wir, daß sie sich offenbar schlagartig ihres Irrtums bewußt wurden.

Das Sterben von Thomas Henry Huxley
(1825-1895), dem berühmte Agnostiker, wird folgendermaßen beschrieben: "Als er im Sterben lag, schaute er plötzlich nach oben, nach etwas, für sterbliche Augen Unsichtbarem und flüsterte, nachdem er eine Weile hochstarrte: "So, es ist also wahr".

Winston Churchill (1874-1965): ,,Welch ein Narr bin ich gewesen!"

Thomas Edison (1847-1931), der amerikanische Erfinder, dem wir die Glühbirne zu verdanken haben: "Es ist sehr schön dort."

Jean Paul Sartre (1905-1980), die alles überschattende Hauptfigur der französischen Existentialphilosophie: "Ich habe versagt!"

Das kann sich nicht auf sein Leben bezogen haben, welches nach gängigen Kriterien als durchaus erfolgreich zu bezeichnen ist. Sartre gilt auch heutzutage noch als einer der großen Philosophen des 20.Jahrhunderts. Ich deute seinen letzten Satz so, daß er damit seinen philosophischen Ansatz meinte, der von einer Welt ohne Gott ausging (Hauptwerk: Das Sein und das Nichts,1943), in welcher sich die Individuen durch fortgesetzte Akte von Sinnentwürfen über Wasser halten.

Der französische Schriftsteller Marquis de Sade (1740-1814), von dessen Namen sich unser Begriff "Sadismus" herleitet, gab als letzte Worte Folgendes von sich:


"Möge mein Andenken aus dem Gedächtnis der Menschheit gelöscht werden."


Schon nach dem Wenigen, was ich von ihm gelesen habe, bin ich dazu geneigt, mich seinem Wunsch anzuschließen.

Zum Schluß noch einen Satz, den ich sehr schön finde, weil er kurz und knapp das zusammenfaßt, was den Inhalt der Visionen auf dem Sterbett ausmacht. Es sind die letzten Worte von Immanuel Kant (1724-1804):

"Es ist gut."                                                 

(Verfasst von: Tommy Gärtner. Verwendung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors)

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Zitierte Quellen:


Osis,Karlis/Haraldsson, Erlandur, Der Tod - ein neuer Anfang, Freiburg im Breisgau 1989

Currie, Ian, Die im Sterben liegen: Visionen auf dem Totenbett, in: ders.: Niemand stirbt für alle Zeit, München 1993, S.149-180

Morse, Melvin/Perry, Paul, Zum Licht, München 1994

Moody, Raymond A., Das Licht von drüben, Reinbek bei Hamburg 2002

Kübler-Ross, Elisabeth, Sehnsucht nach Hause, Güllesheim 2000 

Ring, Kenneth (Interview) in: E.E.Valarino, Erfahrungen an der Schwelle des Todes, Genf/München 1995, S.86-154



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